Mit sonnigen und heissen Gruessen melden wir uns zurueck aus Indien!
Nun geniessen wir zunaechst fuer einige Tage den wunderbaren Ausblick von unserem Balkon auf den rauschenden Ozean und faulenzen. Bevor wir uns wieder ins Abenteuer Indien stuerzen.
Wo sollte man sitzen? Wie man es macht, macht man es falsch!
Vor zwei Wochen sind wir in Kathmandu in ein Flugzeug gestiegen, um nach Kalkutta zu reisen. Am Morgen dieses Tages sind am selbigen Flughafen auch 12 Deutsche, 2 Australier und 5 Nepalesen in ein Flugzeug gestiegen und Richtung Mt. Everst geflogen. Die Nachricht vom Absturz dieses Flugzeuges erreichte uns wenige Stunden vor unserem Abflug. Gaensehaut.
Am Abend dann sind wir wohlbehalten in Kalkutta gelandet. Mit gemischten Gefuehlen. Kalkutta - das war fuer uns das Armenhaus Indiens, bekannt vor allem fuer Mutter Theresa und die nicht enden wollenden Fluechtlingsstroeme aus Bangladesch und den von Ueberschwemmungen geplagten Teilen Nordindiens. Mehr als 15 Mio. Einwohner, nur knapp ein Drittel der Menschen sind an Kanalisation und fliessend Wasser angeschlossen. Armut ueberall. Wir hatten ein bischen Angst vor Kalkutta, aber die Neugier hat uns dort hin verschlagen. Und unsere Freunde Katrin und Olli, die zum Fotografieren in Kalkutta verweilen.
Der Empfang, den uns Kalkutta an jenem Abend bereitet hat, war jedoch strahlend. Es war Durga Puja, Kalkutta's prachtvollstes Fest. Die Strassen waren hell erleuchtet in Lichterketten, ein einziger grosser Jahrmarkt, durch den Tausende von Inderinnen und Indern in ihren besten Sari's und schoensten Hemden streifen. Es sah ein bischen aus wie Weihnachten, nur das Durga Puja bei 30 Grad und draussen stattfindet. Geehrt wird bei diesem Anlass Durga, eine der unzaehligen Goettinnen des Hinduismus. In der ganzen Stadt werden ihr zu Ehren kleine und grosse Tempelbauten in den wildesten Formen (Taj Mahal, Vogelnest...die Phantasie ist hier wirklich grenzenlos) errichtet. Diese bestehen aus Gestellen aus Bambus, die mit Lehm verschmiert, beklebt, geschmueckt und oder bemalt werden, in denen die Durga auf einer Art Altar aufgebaut steht. Sie selbst ist auch ein Gestell aus Bambus, Lehm und Stoff und Schmuck und ist meist umringt von verschiedenen anderen Figuren, die mit ihr in einem Zusammenhang stehen (Der Experte verzeihe uns diese laienhafte Darstellung!). So pilgern die Menschen tagelang von einem Tempelbau zum naechsten - an fast jeder Strassenecke ist einer zu finden - draengen sich davor, um einen Blick zu erhaschen oder beobachten den Priester bei seinen spirituellen Taenzen vor der Durga. Ein wildes Fest.
Auch wir sind gleich in unserer ersten Nacht durch die tagvollen Strassen gestreift, von Durga zu Durga, und endeten auf einer Kirmes. Neben lebensgefaehrlichen Karussellen, die sich in atemberaubender Geschwindigkeit drehen, haben wir auch in einem trichterfoermigen Kreisel aus ein paar zusammengeschusterterten Brettern, die fast senkrecht nach oben ragten, gestanden. Fuer ein paar Rupees konnten wir dort sehen, wie ein Auto und einige Motorraeder sich in diesem Kreisel nach oben gearbeitet haben, live. Dabei schaukelte nicht nur das Gestell, von dem aus wir in den Trichter reinschauten wie eine Holywoodschaukel, sondern es verfolgten uns auch Gedanken, was wohl passiert, wenn eines dieser Gefaehrte raketenartig aus dem Kreisel schiesst. Wieder Gaensehaut.
Von hier an sind wir uebrigens wieder in der Lage, unsere Erzaehlungen mit Bildern zu illustrieren, denn eine neue Speicherkarte und die Hoffnung darauf, in Berlin noch einige der verloren Bilder retten zu koennen, haben uns wieder zur Kamera greifen lassen.
In den folgenden Tagen haben wir Kalkutta erkundet, wenn man das ueberhaupt kann. Denn diese Stadt hat, wie auch Indien selbst, unzaehlige verschiedene Gesichter. Kalkutta erkunden, das heisst entweder, sich durch staubige Strassen, vorbei an hupenden Autorikschas, durch die Massen zu draengeln, oder sich in eine Rikscha zu setzen, die noch per Hand gezogen wird.
Wir haben uns dafuer entschieden, in eines der unzaehligen gelben Ambassador-Taxis zu steigen, in denen man sich wie ein Flimstar in den 50ern vorkommt. Diese Art von Taxis, hinter denen im Filmstudio eine Leinwand mit einer Landschaft vorbeirauschte, waehrend Humphrey Bogart eine namenlose Schoenheit kuesste.
Kalkutta ist voller wunderschoener alter Kolonialbauten. Das beruehmte Victoria Memorial ueberblickt die Stadt ganz in weissem Marmor, ehemals prunkvolle Haeuser ragen an allen Ecken hervor, mit Erkern und romantischen Balkonen geschmueckt. Man kann sich kaum vorstellen, welches Flair hier vor 100 Jahren durch die Strassen wehte. Ein riesiger Park in der Naehe des Ganges beherbergt Wiesen, auf denen sich Familien tummeln, ein grosses Cricketstadion, einen Golfplatz. Unweit davon findet man Einkaufstrassen, Shoppingmalls, teure Restaurants und Bars ganz nach westlichem Geschmack. Ein Portier vor einem Hotel streicht nach Gaesteliste die Besucher ab, die in schicken Autos vorfahren. Dreht man sich um, schmiegen sich an das Haus gegenueber Planen, unter denen die Armen hausen. Manche schlafen auch einfach auf der Strasse. Sie wohnen dort, mit ihren Babys, die unter Decken vor dem Staub geschuetzt schlafen, und ihren wenigen Habseligkeiten. Es gibt hier nicht nur riesige Slums in oder vor der Stadt, sondern die Menschen liegen wirklich fast ueberall auf der Strasse. Es ist nicht so, dass wir nicht taeglich Armut sehen, doch in Kalkutta sind es die Fuelle und die Gegensaetze, die den Eindruck dominieren. Es gibt alles, und das direkt beieinander. Im Kaffeehaus locken Brownies und Schwarzwaelder Kirschtorte, und davor hungern Kinder, junge und alte Menschen. Hier ist alles moeglich. Und das ist es vielleicht auch, was uns fasziniert hat. Auf unseren Streifzuegen durch die Stadt haben wir Villen und alte Hotels bestaunt, die zu Ruinen verfallen. Hier gibt es eine solche Fuelle von alten Prachtbauten, dass man sich fast wie in Paris fuehlt. Nur, dass in Kalkutta nur wenige dieser Bauten instand gehalten werden. Sie verfallen einfach. Wie die Menschen, die davor hocken.



Wir sind auch auf dem Ganges geschippert und ueber die riesige Howrah-Bruecke gelaufen, die belebteste Bruecke der Welt, so sagt man. Oben rauscht der Verkehr vorbei, kleine Maenner mit riesigen Pakten auf den Koepfen laufen eilig ueber die Bruecke, um Gueter von oder zum Bahnhof auf der anderen Flussseite zu transportieren. Am Fusse erstreckt sich entlang einer Bahnlinie Kalkuttas einzigartiger Blumenmarkt.


Unsere Erkundungstour fuehrte uns auch in ein Kuenstlerviertel, wo wir jene Werkstaetten besucht haben, in denen Figuren wie die Durga gebaut werden. In den kleinen wuseligen Gassen standen bereits neue Goettinnen in der Warteschlange, die sich fuer ihr eigenes Fest herausgeputzt haben.

Von dort aus machten wie einen Abstecher in die Vorstadt Salt Lake, wo Jene wohnen, die nicht immer von Armut umgeben sein wollen und sich ihr Haeuschen im Gruenen errichten. Oder die, die einfach genug vom hektischen Verkehr der Stadt haben. Trotz all dieser Gegensaetze bleibt Kalkutta faszinierend, und soviel Mehr, als unsere Vorstellung davon anfangs war. Es war eine wertvolle Zeit, die wir dort verbracht haben, doch nach 6 Tagen in town verfolgten uns hupende Taxis und draengelnde Massen in unsere Traeume - hoechste Zeit, weiterzureisen.
So fanden wir uns erneut in einem Flugzeug wieder. Wir flogen 2000 km weiter Richtung Sueden, immer an der Ostkueste entlang. Unser Ziel hiess Chennai (frueher Madras), das fuer uns das Tor zum Sueden Indiens ist. Auch hier haben wir, trotz der Abwesenheit beeindruckender Bauten oder des Erbes der Englaender, einen Tag verbracht. Chennai gehoert zu den wichtigsten Industriezentren und ist sicher keine schoene Stadt, doch auch ein Teil Indiens. Auf den ersten Blick ist Chennai eine typische stickige indische Grossstadt. Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt jedoch steigt die Dichte an noblen Hotels und schicken Designerlaeden. Touristen verirren sich kaum hierher. Es sind die Gewinner der indischen Gesellschaft, die hier verkehren. Wir sind oft beruehrt von den traurigen Bildern, denen wir in Indien begegnen und uebersehen diesen florienden Teil, weil er uns wie das, was wir aus Europa kennen, erscheint. Und doch, so finden wir, ist dies ein wichtiges Stueck im Puzzle Indien, und ein Wegweiser fuer eine kommende Entwicklung. Der indische Markt waechst unaufhaltsam, und auch das kann man hier, genau wie die Armut, an fast jeder Ecke sehen. Was jedoch in Indien ebenfalls unaufhaltsam waechst, sind die Gegensaetze zwischen den Gewinnern dieses Wachstums und denen, die vor deren Haeusern um ein paar Rupees betteln...
Ach ja, Chennai ruehmt sich damit, den zweilaengsten Strand der Welt zu haben. "Biggest one, Miami, second biggest Chennai!", sagte der Busfahrer. Da er Miami wie das Miauen einer Katze aussprach, Miiiiaahmi, hatten wir anfangs Verstaendnisprobleme. Anders als in Miami allerdings liegen hier keine braungebrannten Bikinis am Strand, sondern Unmengen von Fischerbooten, um die sich kleine Baracken sammeln, in denen die Fischersfamilien leben.
Wir reisen weiter. Mit dem Bus in Richtung Sueden. Auf der Suche nach mehr Puzzleteilen kommen wir in Pondicherry an. Hier ist wieder alles anders. Malerisch an der Kueste gelegen, erstreckt sich ehemals unter franzoesischer Verwaltung stehendes Staedtchen mit einer endlosen Strandpromenade. Hier spricht man noch franzoesich, trifft beim Pizza essen echte indische Lebemaenner ("Oh, from Berlin? I was there in March, beautiful City! And the Parliament, great building!"), denen hier 3 Hotels oder mehr gehoeren. Wahre Kosmopoliten. Wie passt das nun wieder ins Bild?
Bei unserer Ankunft in Indien sagte uns Jemand: Alles, was man ueber Indien sagen kann, kann man gleichzeitig nicht sagen. Alles, was wahr ist ueber Indien, ist gleichzeitig nicht wahr. Stimmt. Und stimmt auch nicht.
Der Empfang, den uns Kalkutta an jenem Abend bereitet hat, war jedoch strahlend. Es war Durga Puja, Kalkutta's prachtvollstes Fest. Die Strassen waren hell erleuchtet in Lichterketten, ein einziger grosser Jahrmarkt, durch den Tausende von Inderinnen und Indern in ihren besten Sari's und schoensten Hemden streifen. Es sah ein bischen aus wie Weihnachten, nur das Durga Puja bei 30 Grad und draussen stattfindet. Geehrt wird bei diesem Anlass Durga, eine der unzaehligen Goettinnen des Hinduismus. In der ganzen Stadt werden ihr zu Ehren kleine und grosse Tempelbauten in den wildesten Formen (Taj Mahal, Vogelnest...die Phantasie ist hier wirklich grenzenlos) errichtet. Diese bestehen aus Gestellen aus Bambus, die mit Lehm verschmiert, beklebt, geschmueckt und oder bemalt werden, in denen die Durga auf einer Art Altar aufgebaut steht. Sie selbst ist auch ein Gestell aus Bambus, Lehm und Stoff und Schmuck und ist meist umringt von verschiedenen anderen Figuren, die mit ihr in einem Zusammenhang stehen (Der Experte verzeihe uns diese laienhafte Darstellung!). So pilgern die Menschen tagelang von einem Tempelbau zum naechsten - an fast jeder Strassenecke ist einer zu finden - draengen sich davor, um einen Blick zu erhaschen oder beobachten den Priester bei seinen spirituellen Taenzen vor der Durga. Ein wildes Fest.
Auch wir sind gleich in unserer ersten Nacht durch die tagvollen Strassen gestreift, von Durga zu Durga, und endeten auf einer Kirmes. Neben lebensgefaehrlichen Karussellen, die sich in atemberaubender Geschwindigkeit drehen, haben wir auch in einem trichterfoermigen Kreisel aus ein paar zusammengeschusterterten Brettern, die fast senkrecht nach oben ragten, gestanden. Fuer ein paar Rupees konnten wir dort sehen, wie ein Auto und einige Motorraeder sich in diesem Kreisel nach oben gearbeitet haben, live. Dabei schaukelte nicht nur das Gestell, von dem aus wir in den Trichter reinschauten wie eine Holywoodschaukel, sondern es verfolgten uns auch Gedanken, was wohl passiert, wenn eines dieser Gefaehrte raketenartig aus dem Kreisel schiesst. Wieder Gaensehaut.
Von hier an sind wir uebrigens wieder in der Lage, unsere Erzaehlungen mit Bildern zu illustrieren, denn eine neue Speicherkarte und die Hoffnung darauf, in Berlin noch einige der verloren Bilder retten zu koennen, haben uns wieder zur Kamera greifen lassen.
In den folgenden Tagen haben wir Kalkutta erkundet, wenn man das ueberhaupt kann. Denn diese Stadt hat, wie auch Indien selbst, unzaehlige verschiedene Gesichter. Kalkutta erkunden, das heisst entweder, sich durch staubige Strassen, vorbei an hupenden Autorikschas, durch die Massen zu draengeln, oder sich in eine Rikscha zu setzen, die noch per Hand gezogen wird.
Wir haben uns dafuer entschieden, in eines der unzaehligen gelben Ambassador-Taxis zu steigen, in denen man sich wie ein Flimstar in den 50ern vorkommt. Diese Art von Taxis, hinter denen im Filmstudio eine Leinwand mit einer Landschaft vorbeirauschte, waehrend Humphrey Bogart eine namenlose Schoenheit kuesste.
Kalkutta ist voller wunderschoener alter Kolonialbauten. Das beruehmte Victoria Memorial ueberblickt die Stadt ganz in weissem Marmor, ehemals prunkvolle Haeuser ragen an allen Ecken hervor, mit Erkern und romantischen Balkonen geschmueckt. Man kann sich kaum vorstellen, welches Flair hier vor 100 Jahren durch die Strassen wehte. Ein riesiger Park in der Naehe des Ganges beherbergt Wiesen, auf denen sich Familien tummeln, ein grosses Cricketstadion, einen Golfplatz. Unweit davon findet man Einkaufstrassen, Shoppingmalls, teure Restaurants und Bars ganz nach westlichem Geschmack. Ein Portier vor einem Hotel streicht nach Gaesteliste die Besucher ab, die in schicken Autos vorfahren. Dreht man sich um, schmiegen sich an das Haus gegenueber Planen, unter denen die Armen hausen. Manche schlafen auch einfach auf der Strasse. Sie wohnen dort, mit ihren Babys, die unter Decken vor dem Staub geschuetzt schlafen, und ihren wenigen Habseligkeiten. Es gibt hier nicht nur riesige Slums in oder vor der Stadt, sondern die Menschen liegen wirklich fast ueberall auf der Strasse. Es ist nicht so, dass wir nicht taeglich Armut sehen, doch in Kalkutta sind es die Fuelle und die Gegensaetze, die den Eindruck dominieren. Es gibt alles, und das direkt beieinander. Im Kaffeehaus locken Brownies und Schwarzwaelder Kirschtorte, und davor hungern Kinder, junge und alte Menschen. Hier ist alles moeglich. Und das ist es vielleicht auch, was uns fasziniert hat. Auf unseren Streifzuegen durch die Stadt haben wir Villen und alte Hotels bestaunt, die zu Ruinen verfallen. Hier gibt es eine solche Fuelle von alten Prachtbauten, dass man sich fast wie in Paris fuehlt. Nur, dass in Kalkutta nur wenige dieser Bauten instand gehalten werden. Sie verfallen einfach. Wie die Menschen, die davor hocken.



Wir sind auch auf dem Ganges geschippert und ueber die riesige Howrah-Bruecke gelaufen, die belebteste Bruecke der Welt, so sagt man. Oben rauscht der Verkehr vorbei, kleine Maenner mit riesigen Pakten auf den Koepfen laufen eilig ueber die Bruecke, um Gueter von oder zum Bahnhof auf der anderen Flussseite zu transportieren. Am Fusse erstreckt sich entlang einer Bahnlinie Kalkuttas einzigartiger Blumenmarkt.


Unsere Erkundungstour fuehrte uns auch in ein Kuenstlerviertel, wo wir jene Werkstaetten besucht haben, in denen Figuren wie die Durga gebaut werden. In den kleinen wuseligen Gassen standen bereits neue Goettinnen in der Warteschlange, die sich fuer ihr eigenes Fest herausgeputzt haben.

Von dort aus machten wie einen Abstecher in die Vorstadt Salt Lake, wo Jene wohnen, die nicht immer von Armut umgeben sein wollen und sich ihr Haeuschen im Gruenen errichten. Oder die, die einfach genug vom hektischen Verkehr der Stadt haben. Trotz all dieser Gegensaetze bleibt Kalkutta faszinierend, und soviel Mehr, als unsere Vorstellung davon anfangs war. Es war eine wertvolle Zeit, die wir dort verbracht haben, doch nach 6 Tagen in town verfolgten uns hupende Taxis und draengelnde Massen in unsere Traeume - hoechste Zeit, weiterzureisen.
So fanden wir uns erneut in einem Flugzeug wieder. Wir flogen 2000 km weiter Richtung Sueden, immer an der Ostkueste entlang. Unser Ziel hiess Chennai (frueher Madras), das fuer uns das Tor zum Sueden Indiens ist. Auch hier haben wir, trotz der Abwesenheit beeindruckender Bauten oder des Erbes der Englaender, einen Tag verbracht. Chennai gehoert zu den wichtigsten Industriezentren und ist sicher keine schoene Stadt, doch auch ein Teil Indiens. Auf den ersten Blick ist Chennai eine typische stickige indische Grossstadt. Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt jedoch steigt die Dichte an noblen Hotels und schicken Designerlaeden. Touristen verirren sich kaum hierher. Es sind die Gewinner der indischen Gesellschaft, die hier verkehren. Wir sind oft beruehrt von den traurigen Bildern, denen wir in Indien begegnen und uebersehen diesen florienden Teil, weil er uns wie das, was wir aus Europa kennen, erscheint. Und doch, so finden wir, ist dies ein wichtiges Stueck im Puzzle Indien, und ein Wegweiser fuer eine kommende Entwicklung. Der indische Markt waechst unaufhaltsam, und auch das kann man hier, genau wie die Armut, an fast jeder Ecke sehen. Was jedoch in Indien ebenfalls unaufhaltsam waechst, sind die Gegensaetze zwischen den Gewinnern dieses Wachstums und denen, die vor deren Haeusern um ein paar Rupees betteln...
Ach ja, Chennai ruehmt sich damit, den zweilaengsten Strand der Welt zu haben. "Biggest one, Miami, second biggest Chennai!", sagte der Busfahrer. Da er Miami wie das Miauen einer Katze aussprach, Miiiiaahmi, hatten wir anfangs Verstaendnisprobleme. Anders als in Miami allerdings liegen hier keine braungebrannten Bikinis am Strand, sondern Unmengen von Fischerbooten, um die sich kleine Baracken sammeln, in denen die Fischersfamilien leben.
Wir reisen weiter. Mit dem Bus in Richtung Sueden. Auf der Suche nach mehr Puzzleteilen kommen wir in Pondicherry an. Hier ist wieder alles anders. Malerisch an der Kueste gelegen, erstreckt sich ehemals unter franzoesischer Verwaltung stehendes Staedtchen mit einer endlosen Strandpromenade. Hier spricht man noch franzoesich, trifft beim Pizza essen echte indische Lebemaenner ("Oh, from Berlin? I was there in March, beautiful City! And the Parliament, great building!"), denen hier 3 Hotels oder mehr gehoeren. Wahre Kosmopoliten. Wie passt das nun wieder ins Bild?
Nun geniessen wir zunaechst fuer einige Tage den wunderbaren Ausblick von unserem Balkon auf den rauschenden Ozean und faulenzen. Bevor wir uns wieder ins Abenteuer Indien stuerzen.
Zum Abschied ein Einblick in unseren Bus- und Strassenverkehrs-Alltag.
Bus fahren in Nepal oder in Indien: Immer am Rande des Wahnsinns
Sitzt man vorne, fiebert man jedesmal mit, wenn der Busfahrer ueberholt, um die Kurve faehrt oder auch nur beschleunigt oder bremst. Die Groessten muessen die Schnellsten sein, das liegt hier in der Natur der Sache. Manchmal hat man das Gefuehl, es findet ein Wettrennen statt. Wer der erste in der Kolonne ist, der bekommt den Preis. Zeit sparen? Nein, es ist wohl eher der innere Druck, sich zu behaupten, die Ellenbogen zu zeigen, die so wichtig sind in dieser indischen Gesellschaft.
Es gibt kein Entrinnen. Niemals. Man wird schonungslos in diese Situation reingeschmissen. Aussteigen? Weiterfahren? Jedesmal stellt sich diese Frage aufs Neue. Doch wie kommt man alternativ von A nach B? Also hoffen wir irgendwie aufs Glueck. Naja, und der naechste Bus faehrt ja auch nicht langsamer. Vielleicht sogar noch schneller und noch chaotischer.
Sitzt man vorne, sitzt man auch in der Naehe der Hupe. Diese ist meistens so laut, dass man jedesmal von seinem eigenen beengten Sitz auf den Schoss des Nachbarn faellt vor Schreck und der Atem kurz stockt. Hupen ist hier Mode, eine Tradition. Neben der Warnfunktion ist folgendes Phaenomen zu beobachten: "Ich hupe, also bin ich!" Gehupt wird immer und ueberall. Vor der Kreuzung, nach der Kreuzung, auf der Kreuzung. Kuehe, Fahrraeder, Fussgaenger sind im Besonderen Opfer dieser atonalen Konzerte. Naja, und wenn sich ein Fussgaenger kein Vehikel mit Raedern leisten kann, dieser Lump, dann hat er es auch nicht besser verdient! So wird man oft gnadenlos von der Strasse gehupt. Anstatt umsichtig zu fahren, hupt man, und wer dann nicht sofort zur Seite springt, ausweicht oder mit seinem Moped in den Graben faehrt, der hat eben Pech gehabt! Hupen ist somit gleichzeitig Warnfunktion, Machismo, Balzverhalten und die Faulheit, auf die Bremse zu treten. Der Strassenverkehr weist eine fein geordnete hirarchische Struktur auf: Fussgaenger, Fahradrikschas, Autorikschas, Autos, Kelibus, richtiger Bus, LKW. So kann man sich vielleicht vorstellen, wie laut das Hupen eines Busses sein muss, um sich durchzusetzen. Ohrenbetaeubend.
Oft schnauzt man wutentbrannt einen Mopedfahrer an. Warum hupst du? Die Strasse ist frei, nur wir laufen am Rand entlang? Zurueck kommt ein freudiges Grinsen, bei dem sich all der Frust in Luft aufloest. Kann man denn da boese sein? Wie erzieht man in 3 Monaten alle indischen Verkehrsteilnehmer zu verantwortungsvollen Fahrern? Gar nicht! Wir sind in einer voellig anderen Welt. Hier gelten andere Regeln als bei uns. Auch, was den Wert eines Menschenlebens anbelangt.
Sitzt man nun hinten im Bus, wird man derart durchgeschuettelt, dass sich einem der Kopf dreht, gar nicht davon zu reden, wie das Sitzfleisch nach einigen Stunden schmerzt. Die Strasse dort vorn erscheint soweit weg. Menschen stehen in allen Luecken des Busses und versperren den kontrollierenden Blick auf die Strasse. Man sieht nicht mehr, was da vorne los ist, ob schon die naechste Krisensituation auf der Strasse bevorsteht. Nicht, dass man darauf einwirken koennte, aber irgendwie hat man so das Gefuehl, etwas mehr Kontrolle zu haben. Die Ungewissheit ist nicht so gross. Im Zweifelsfall kann man immernoch den Busfahrer anbruellen.
Was gleich ist, hinten wie vorne im Bus, ist, dass man eingeengt zwischen unzaehligen Menschen sitzt. Meist weiss man nicht, wo man die langen Beine abstellen soll. Der Abstand zu dem jeweiligen Vordersitz ist derart gering, dass die Knie staendig an die Metallwand desselbigen trommeln. Schmerzverzerrt ist das Gesicht, wuterfuellt das Innere. Ach ja, und klatschnass die Haut. Denn nicht zu vergessen: Es sind immer mindestens 30 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit...
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