Donnerstag, 10. Juli 2008

Das verrückte Dorf oder: Wo wir in den letzten Wochen so waren...

Hallo aus Mexico... einige Tage sind vergangen seit unserem letzten Eintrag. Es folgt der Versuch, 3000 zurückgelegte Kilometer, 8 verschiedene Hotels, 2 Wochenenden und die vielen Eindrücke zusammenzufassen. Vamos! Zunächst natürlich zum EM-Finale. Der ein oder andere mag die schmerzhafte Niederlage bereits verdrängt haben, für uns war es jedoch auch nicht einfach. Inmitten für die Spanier jubelnder Mexikaner sassen wir mit unserer Paella (wir wollten ja Bratwurst essen, aber dann gab es ausgerechnet Paella), die nicht nur den Sieg feierten, sondern uns auch noch von allen Seiten mitleidig auf die Schulter klopften... das war eine doppelte Niederlage. Dennoch sind wir, oder vor allem Franzi, auch ein wenig erleichtert, dass es nun vorbei ist und wir nicht jeden Tag von neuem Überlegen müssen, wo, wie und so weiter Fussball gucken....
Nun aber mal der Reihe nach.
Nachdem wir uns von den amerikanischen Touris (alle über 60) auf Baja California verabschiedet haben und wieder mit der Fähre übergesetzt sind, wollten wir also mal das "richtige" Mexico kennenlernen. Also haben wir uns aufgemacht, mit dem Bus, noch einem Bus, einem Taxi zur Bootsanlegestelle und sind mit einem kleinen Boot übergesetzt nach Mexcaltitan. Wie die Illustration zeigt, handelt es sich um ein 2000 Einwohner Dörfchen, in dem die Party des Jahres stattfand, so der Lonely Planet. Also nix wie hin!
Wir fanden ein wirklich verschlafenes Städtchen, das von einer Hauptstrasse umrundet wird (das dauert 5 min.) und in der Mitte einen Dorfplatz hat, der schon fleissig für die bevorstehende Party geschmückt wurde. Da Mexcalitian in einer Lagune liegt, leben alle von Camarones, also Krabben, und um diese Quelle nicht versiegen zu lassen, werden an diesem Fest die Lagunen-Schutzheiligen San Pedro und San Padro auf die Lagune geschifft, um dort das Wasser zu segnen.
Während die Vorbereitungen für die Party also auf Hochtouren liefen, mussten wir zunächst ein Problem lösen: Wo sollten wir schlafen? Das einzige Hotel mit seinen 3 Zimmern war natürlich ausgebucht, also wohin? Wir fragten im Dorf rum, und nach langer Diskussion riet man uns, den Padre zu fragen. "Alles kein Problem!", sagte er, und wies uns in der Kapelle den Platz links unterm dem Kreuz auf dem Boden zu. Romantisch, dachten wir....
Draussen auf dem Dorfplatz, der ja quasi nebenan war, denn die Kirche steht ja am Dorfplatz..., wurde ein lustiges Gerüst aufgebaut, das überall Kreisel und Spiralen hatte, und aus dem des Nachts Raketen in alle Ecken spuckten. Anschließend fing die mexcaltitanische Blaskapelle an zu spielen. Anfangs fanden wir das alles noch spannend, wir waren die einzigen Touristen, allerdings wurde die Stimmung nach und nach aggressiver je mehr Bier floss, und nachdem die Raketen aus überdimensionierten selbstgebauten Abschussrampen im Kircheninnenhof in die Luft geschossen wurden und wir uns auf unsere Bank zurückziehen wollten, lief plötzlich Jemand mit einem riesigen Holzschwein durch die Straßen, dass aus allen Ecken in die Menge Knaller spuckte. Fiesta Mexicana! Und wir kamen mit einem Schreck davon.
Die wahre Herausforderung war jedoch die Nacht. Das es hart werden würde auf den Fliesen hatten wir natürlich eingeplant, dass allerdings ständig nachts Jemand rein kam und betrunken "Wo ist der Padre?" fragte, die ganze Nacht in unregelmässigen Abständen im Innenhof die Raketenrohre knallten und die Blaskapelle morgens um 7 noch immer nicht müde war, damit hatten wir nicht gerechnet. Letzlich haben wir also kein Auge zugemacht, und als wir um halb 8 aufatmeten, weil die Blasmusik endlich abebbte, wurden die oben im Bild sichtbaren Boxen aktiviert und das ganze Dorf ununterbrochen mit Musik beschallt (vielleicht wie auf dem Oktoberfest im Bierzelt). Wir haben in Windeseile unseren Kram gepackt und sind geflüchtet. Also wie ging es weiter. Wieder Bus fahren, wieder auf der Suche nach einem schönen Ort, wo wir einfach mal die Seele baumeln lassen und unser Trauma verarbeiten konnten. Ach ja, wo sind wir eigentlich grad? (blaue Piste) Unterwegs haben wir einige Eindrücke von der Flora und Faune an der mexikanischen Pazifiküste gesammelt. An einem Highway rausgesprungen und in der Hitze einige Kilometer gelaufen, finden wir ein kleines Surferparadies, ab vom Küstentourismus, wo sich die Sonne noch richtig viel Mühe gibt, eine atmenberaubende Szenerie zu schaffen: Sayulita, 50 km nördlich von Puerto Vallarta. Nun, was sollen wir sagen: Sonne, Strand, Ruhe....mehr gibt es fast nicht zu erzählen von unseren 5 Tagen dort. Nur die Tatsache, dass dort, wo es Surfer gibt, auch Wellen sind und wir vor lauter Freude über das Spielen in den Wellen übersehen haben, dass die Flut heranrollt... Unsere kleine Decke mit unseren Büchern wurde quasi überrollt...alles nass, die Bücher zerstört....aber wir sind gesund und haben alles retten können! Nach dieser wirklich schönen Zeit nahte das Wochenende, an dem wir uns mit Eylem im Norden Mexico City´s, in Guanajato, verabredet hatten. Eylem hatte kurzerhand ihre Freundin Filiz eingepackt, die auch in Mexico weilt, so dass wir ein tolles Quartett für ein Wochenende bildeten. Guanajato ist eine Minenstadt, in der Silber und Gold abgebaut wird. Wie man sieht, ist es ein zauberhaftes kleines Städtchen, dass mit seinen bunten Häusern, kleinen Plätzen und engen Gassen auch in Südfrankreich oder Italien liegen könnte. Dort haben wir 3 Tagen lang alle Cafes und Restaurant durchgetestet und es uns richtig gut gehen lassen. Und gegen den Regen haben wir uns perfekt gerüstet... Natürlich haben wir uns auch eine Silbermine angeschaut: Das Loch ist 600 m tief! Der Gärtner, der uns heimlich für 20 Pesos durch die Hintertür reingelassen hat, um an den Tagen, an denen die Mine geschlossen ist, sein mickriges Gehalt aufzubessern, hat einen Stein hinuntergeworfen, und es dauerte mindestens 15 Sekunden, bis es weit entfernt PLATSCH machte...beeindruckend! Am Sonntag haben wir dann noch einen Ausflug nach San Miguel Allende gemacht und sind dort wieder um den Marktplatz spaziert und haben den Kaffee dort getestet... Hier nur einige Eindrücke von Strassen und Menschen.... Nun sind wir wieder in Mexico City bei Eylem gestrandet, doch der Regen und die Kälte erkälten uns, so dass wir nun weiterreisen werden nach Oaxaca, wieder auf der Suche nach mehr Sonne und Meer.... und natürlich werden wir wieder davon berichten! Hasta pronto!

2 Kommentare:

Jitka und Daniel hat gesagt…

ist auch der indienreiseführer im pazifik gelandet?

Karina hat gesagt…

möööööööönsch was seid ihr schön braun...der pure neid von meiner seite, wir leiden hier nämlich seid gefühlten 4 wochen unter geknubbelten tiefdruckgebieten. ist aber auch gar nicht so schlecht, sonst müsste ich von meinem büroschreibtisch aus immer in die sonne blinzeln und die klimaanlalage hochschrauben ( wir dürfen die fenster nicht öffnen).
dicken kuss ausm pott!